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Einen ordentlichen Spannungsbogen hatten die Hausherren im neuesten Wiener Nacht-Etablissement Grelle Forelle konstruiert.
Schon vor ein paar Wochen gab es Gerüchte, der neue Club unterhalb des Parkhauses an der Spittelauer Lände würde mit einigen Features aufwarten, die die Konkurrenz im Wiener Nachtleben erzittern lassen würden. In Pratersauna, Market, Morrisson, Fluc und Co würde man sich schon gehörig in die Hose schei***n hieß es. Man hörte, es sei wahnsinnig viel Geld investiert worden, und die Mitbewerber würden es schwer haben, in einigen Disziplinen der Nachtbespaßung mit der Forelle mitzuhalten.
Vice, Gap und Stadtbekannt heizten die Vorfreude mit wohlwollenden Artikeln an. Gleich mehrere Fische zieren seit Ende November in Graffitoform die Ufer des Donaukanals und plakatiert hat man die Stadt auch ordentlich. Das Line-Up am Eröffnungsabend war auch absolut vielversprechend, auch wenn Laminat aus ungeklärten Gründen absagen, und Moogle allein auf Damian Lazarus einstimmen musste.
Nun war es am letzten Freitag so weit und die Forelle öffnete ihre Pforten zum ersten Mal für die partyaffine Öffentlichkeit.
Der Andrang war – wie erwartet – nicht zu knapp.
Schon auf dem Fußweg zum Club traf man auf eine Menge abgewiesener Leute, die alle davon redeten, man bräuchte “ein Ticket”, um Einlass zu erhalten.
Nach eine gemütlichen Stunde in der endlosen Warteschlage, die nur ganz selten mal ein wenig in Bewegung geriet, stellte sich das an der Tür als absoluter Bullshit heraus.
Wir wurden ohne Murren reingelassen. Allerdings wurden auch die ganze Zeit über verdammt viele Leute abgewiesen. Kriterien waren nicht wirklich erkennbar und im Club war es noch bis zwei Uhr verhältnismäßig leer.
Die Grelle Forelle ist riesig. Man durchquert auf dem Weg zur Tanzfläche gleich drei oder vier Räume. Davon gibt es in einem eine unspektakuläre Garderobe, in einem rein garnichts, in einem den Ausgang und in einem eine Snackbar. Der Raum mit Snackbar wird zusätzlich von einem DJ bespielt, ist schneeweiß gestrichen und durch seine Leere relativ kühl und elegant. Ein gelungener Raum, der trotzdem eher als Durchgang wahrgenommen wird. Wer hat im Club schon Hunger? Snackbars im Club? Eher was für Einzelfälle.
Der größte Raum des Clubs besteht aus einer riesigen Tanzfläche, einer rechteckigen Bar in der Mitte und einem dahinter liegenden Lounge-Bereich mit Sitzecken und Couchstischen. Insgesamt hat alles ziemlich viel Großraum-Flavour. Der Raucherbereich liegt hinter Glas und bietet freie Aussicht auf die Tanzfläche, was angenehm ist. Irgendwie unentspannt wirkte es, dass im Raucherbereich ständig von einem Mitarbeiter gefegt wurde. Die Mitarbeiter_Innen scheinen gehalten zu sein, schwarze Schürzen zu tragen = affig.
Der Sound der Forelle ist nicht von schlechten Eltern, wie angekündigt. Auch die Deko (Spinnennetzartiges unter der Decke, beleuchteter Kubus unter der Decke hinter der Bar) ist absolut in Ordnung.
Was schwerstens nervt, ist kleines Bier für 4 EUR. Rip-Off!
Zum Publikum am Eröffnungsabend: Lassen wir das. Hoffentlich war der Eröffnungsabend nicht repräsentativ.
Fazit:
Die Grelle Forelle wird es im Wiener Nachtleben nicht schwer haben, Leute anzuziehen, wenn die Betreiber in Sachen Publicity so weitermachen, wie vor der Eröffnung.
Allerdings dürfte es schwierig werden, die Forelle regelmäßig zu füllen, wenn man gleichzeitig Wert auf ein halbwegs lässiges Club-Publikum legt.
Wer einen solchen Großraumschuppen füllen möchte und bei gesalzenen Preisen für Eintritt und Getränke auch noch Umsatz machen möchte, der muss den Laden regelmäßig mit dem versnobbten Teil des Wiener Gürtelpublikums befüllen, der auch mal Vodka flaschenweise ordert.
Wer die Loungeecke mit Leben füllen möchte, darf von Seidenhemden und Miniröcken nicht zurückschrecken. Ob sich daraus eine angenehme Mischung ergeben kann ist fraglich. An der Stelle kommt natürlich viel auf das Booking an.
Insgesamt spricht einiges dafür (Parkplätze, Größe, Preise, Door-Policy), dass die Forelle nicht unbedingt das ist, was ich zum feiern suche.
Man kann gespannt sein, ob die Forelle in Wien funktioniert.